Herzlich willkommen in der Richsteiner Kapelle
- 1887 als Kombinationsbau aus Kirche, Schule und Lehrerwohnung errichtet
- historistisch-neogotischer Stil
- einmanualige Orgel mit fünf Registern von Eduard Vogt von 1887
- große Innen- und Außenrenovierungen im Jahr 2002
Von Arfeld aus erreichen wir die Filialgemeinde Richstein nach einer Fahrt von drei Kilometern über die Landesstraße 903. Die enge und kurvenreiche Dorfstraße befahrend, grüßt zur linken Seite ein abseits stehender beschie-ferter Glockenturm, der 1966 errichtet wurde. Die dazugehörige Kapelle liegt versteckt am Ende des Ortes auf der linken Seite. Es handelt sich um einen für kleine Dörfer in Westfalen und Hessen typischen Kombinationsbau, der zugleich Schulhaus und Kapelle war. Nachdem der Vorgängerbau, der den großen Brand von Richstein 1590 nahezu unbeschadet überstanden hatte, 1877 wegen Baufälligkeit geschlossen worden und 1884 die Baumaterialien des maroden Gebäudes an den Meistbietenden versteigert worden waren, mußte ein neues Kirchengebäude errichtet werden.
Richstein wird 1384 erstmals als ‚Rischenstein’ erwähnt. Für die alte Kapelle haben wir den ältesten Nachweis für 1585, mit Sicherheit ist das Gebäude aber erheblich früher errichtet worden. Am 16. Januar 1886 konnte der Grundstein für den Neubau gelegt werden. Das Grundstück wurde von der politischen Gemeinde Richstein zur Verfügung gestellt. Bereits am 5. Oktober 1887 konnte die Einweihung gefeiert werden. Ursprünglich als Fachwerkbau konzipiert, wurde das gesamte Gebäude im Laufe der Zeit mit Naturschiefer eingedeckt. Seit 1974 befindet es sich vollständig im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde. Der ehemalige Schulbereich ist in ein Gemeindehaus umgewandelt worden. Wer die Kapelle betritt, sieht sich einem für das ausgehende 19. Jahrhundert typischen neogotischen Stil gegenüber.
Die zweigeteilten Chorfenster sind mit einem schlichten roten Rand versehen. In der gesamten Kapelle überwiegt Weiß, die freiliegenden Fachwerkbalken sind grau abgesetzt. Sitzbänke, Kanzel, Altar, ein kleines halbhohes Chorgitter (Lettner), Liedertafel und Deckenleuchter sind alle in dem gleichen Eichenholz gehalten. In jüngster Zeit sind ein bronzener Kerzenleuchter und ein Holzkreuz für die Apsis angeschafft worden, was den nüchternen reformierten Eindruck nicht stört. Die Orgel, mit einem farblich prächtigem neobarocken Prospekt versehen, stammt von der Korbacher Orgelbauerfamilie Vogt. Das 1887 hergestellte einmanualige Instrument besitzt fünf Register. Erst 1939 wurde eine Treppe zur Empore und Orgel eingebaut, gleichzeitig wurde die bis dahin benutzte Tür von der anliegenden Lehrerwohnung zur Empore zugemauert. Am Treppenaufgang sind ihre Spuren noch zu sehen.
Im Winter 2000 bekam die Kapelle einen neuen Innenanstrich, sodass sie sich den Besucherinnen und Besuchern in einem frischen Zustand präsentiert. Eine gründliche Außenrenovierung fand 1991 bis 1993 statt, hierbei wurden auch die mit roten Rändern versehenen Fenster im Chorraum erneuert. Das Geläut des Richsteiner Glockenturms besteht aus drei Bronzeglocken. Die älteste wurde 1886 in Brilon gegossen, die beiden anderen Glocken wurden 1966 von der Gießerei Rincker in Sinn hergestellt.
Dr. Ulf Lückel

